
Vom Wandern und Träumen
Liederabend mit Alexander Grassauer (Bariton) und Marcelo Amaral (Klavier), Montag, 17. November 2025, 19:30 Uhr, Meistersingerhalle
„Vom Wandern und Träumen“ nennen Alexander Grassauer und Marcelo Amaral ihr verändertes Programm ihres Liederabends, der zusammenfasst, was wahre Romantiker antreibt. Den „Drang in die Ferne“ (Schubert) und die Sehnsucht nach einer Heimat („Der Wanderer an den Mond“/ Schubert), das schaurig Schöne („Meerfahrt“ / Brahms) und immer und überall Natur und Liebe von Franz Schubert, über Johannes Brahms bis zu R.V. Williams
Marcelo Amaral, gefeiert als „Liedbegleiter der Superlative“, ist Professor für Liedbegleitung an der Musikhochschule Nürnberg. Er gehört zu den gefragtesten Begleitern vieler Sänger und Sängerinnen und ist auf zahlreichen Festivals zu Gast. Der Liederabend „Vom Wandern und Träumen“ verlangte nach einem einfühlsamen Pianisten, der den Sänger unterstützte und ihn durch ruhige Gewässer ebenso führte wie in wilder Sturmesflut nicht verloren gehen ließ. Alexander Grassauers volltönender, runder Bassbariton verlieh den romantischen bis neoromantischen Liedern einen warmen Sammetton, der durchaus auch einmal „boyish“ („Youth and Love“) klingen konnte. Könnte man sagen, dass Grassauer besonders bei R.V.Williams zuhause war? In „Bright Is the Ring of Words“ zeigte sich jedenfalls sein gestalterisches Talent in besonderer Form.
Im Grunde kreiste dieser Liederabend um die Coda von Schuberts „Wanderer“, obwohl dieser nicht zu Gehör gebracht wurde: „Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück“. Der traumverlorene romantische Wanderer verlöre seine Ideale, fände er je das Ziel seiner Sehnsucht. Den Ausweg aus dem Dilemma findet jedoch R.L. Stevenson in seinen von R.V. Williams vertonten „Songs of travel“, wird darin doch der Weg zum Ziel („The Vagabond“). Das Publikum quittierte den ohne Pause dargebotenen Liederabend mit dankbarem Applaus und einigen Bravorufen. Amaral und Grassauer entließen es mit Schuberts „Du bist die Ruh“ in den unwirtlichen Novemberabend.
Ulrike Bauermeister-Bock