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Più tranquillo

Nils Mönkemeyer/ William Youn, Mittwoch, 21. Januar 2026, 19:30 Uhr, Meistersingerhalle

Der Bratschist Nils Mönkemeyer und der Pianist William Youn sind ein Dreamteam der kleinen Form der Kammermusik. In enger musikalischer Freundschaft verbunden finden die beiden preisgekrönten Musiker zu einer einzigartig harmonischen musikalischen Sprache. Wie auch z.B. Anne-Sophie Mutter, Julia Fischer oder Augustin Hadelich spielt Mönkemeyer, "Hochschullehrer des Jahres 2025", ein Instrument von Philipp Augustin, das mit seinem rotgoldenen Klang wunderbare Ausdrucksmöglichkeiten bietet. William Youn gilt als "Poet am Klavier", der sich aber nie im Schwelgen verliert, sondern stets den Kopf oben behält. Mönkemeyer und Youn verbindet eine unprätentiöse, unaufgeregte interpretatorische Auffassung, die die Hörerschaft in einen sanften, versöhnlichen Schwebezustand versetzt.

Beide widmen sich in diesem Konzert Werken von Schumann und Brahms, die eines eint: Sie sind in den späten Jahren der beiden Komponisten entstanden, in denen sich diese der „kleinen Form“ mit besonderer Hingabe widmeten. Schumanns Ideenreichtum in seinem op. 70 steht aber hinter seinen frühen Werken dieser Art, die weit in die Zukunft weisen, nicht zurück. Bei Brahms kann sich der Hörer doch nicht immer dem Eindruck entziehen, dass es sich auch um eine Art einsamen Abgesang (z.B. in der „Mainacht“) handeln könnte. Auch seine drei Intermezzi, op. 117, können zwar hie und da fast schon impressionistisch gelesen werden, bleiben aber einer melancholischen Aura verhaftet. Sie folgen auf Schumanns op.70, auf den 1.Satz der F.A.E.-Sonate von Albert Dietrich und bilden den Auftakt nach der Pause.
Als Geschenk für Joseph Joachim gedacht ist die F.A.E.-Sonate ein Gemeinschaftswerk Robert Schumanns, Johannes Brahms‘ und Albert Dietrichs. Brahms Scherzo wurde erst 1906 posthum, die gesamte Sonate, lange als Literatur für einen privaten Zweck angesehen, sogar erst 1935 veröffentlicht.
Den Abschluss des Programms bildet Brahms' Sonate für Viola und Klavier in Es-Dur, op.120. Der Kammermusikführer (www.kammermusikfuehrer.de) bezeichnet sie als eine „noble Geste eines gelassenen Großen, der sich von seiner Kunst im Schein der Einfachheit verabschiedet“. Für das so wunderbar sensibel komponierte Programm spendete das Publikum glücklichen Beifall. Mönkemeyer und Youn bedankten sich mit einer Sonate des 9-jährigen Mozart.

Brahms‘ op. 120 endet mit der Bezeichnung „più tranquillo“. Draußen herrscht bittere Kälte. Auch das politische Parkett auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos dürfte eisglatt sein. Wie wohltuend, in einem heimeligen, holzgetäferten Konzertsaal zu sitzen, einer samtwarmen Bratsche und einem poetischen Flügel zu lauschen, die Augen zu schließen und zu fühlen, dass für diesen Moment alles gut ist.

Ulrike Bauermeister-Bock

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