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Ohren auf!

Trio Orelon, Sonntag, 18. Oktober 2026, 19:30 Uhr, Meistersingerhalle

Im Januar 2025 war das Trio Orelon bereits einmal Gast beim Privatmusikverein Nürnberg. Am 18.10.2026 war es erneut ab 19:30 in der Kleinen Meistersingerhalle zu hören. Noch über die Irrungen, Wirrungen um ein nicht gedrucktes Programm schmunzelnd, die Herr Scheder darstellte, begrüßte die Hörerschaft beim ersten Konzert der Saison 26/27 die drei preisgekrönten Musiker, Judith Stapf (Violine), Arnau Rovira i Bascompte (Cello) und Marco Sanna (Klavier), freundlich als alte Bekannte.

Die Komponist*innen dieses Abends entstammen teilweise zwar verschiedenen Epochen, sind aber doch miteinander verknüpft. Fauré, der Grieg sehr geschätzt haben soll, war Lili Boulangers Lehrer am Pariser Konservatorium und soll ihr absolutes Gehör bemerkt haben. Grieg und Beethoven verbindet die Gehörlosigkeit. Das Hören steckt auch im Namen des Trio Orelon. Er entstammt dem Esperanto und wird mit „Ohr“ übersetzt. Wer während des Konzerts kompositorische Verbindungslinien heraushören wollte und in der Einführung gut aufgepasst hat, konnte sich z.B. auf den besonderen Umgang mit den Terzen konzentrieren, der die Werke des Abends zusammennahm.

Von 1858-1862 studierte Grieg wohl etwas widerwillig am Leipziger Konservatorium. Daraus resultierte neben seinem Streichquartett auch das Andante con moto dieses Abends. Das einsätzige Werk beginnt mit verhangener Schwere und verhallt gedämpft. Schon 2025 erfreute das Trio Orelon mit harmonischer Ausgewogenheit der drei Instrumente. Es scheint, als hätten die Instrumentalisten ihr persönliches Profil etwas nachgeschärft, ohne den harmonischen Gesamtklang aus dem Blick zu verlieren.

Op. 120 war das vorletzte Werk von Fauré und sollte Ravel Konkurrenz machen. Es folgte im Programm auf Edvard Grieg. Ursprünglich für Klarinette statt erster Violine geschrieben, sollte es den bereits schwer mit Hörproblemen kämpfenden Komponisten aus seiner Depression reißen, erläuterte Pianist Sanna. Das Werk erinnere ihn an ein Chanson oder französische Filmmusik, sagte Sanna und riet dazu, „das Gehirn abzuschalten“ und sich der Musik hinzugeben. Die drei Instrumente führen hier einen Dialog und reichen einander die Motive weiter. So entsteht ein feinsinniges Geflecht kompositorischer Linien in burgunderrot, himmelblau und ein wenig weiß aus den Boulevards Haussmanns. Bascomptes Cello hatte gleich zu Beginn von Faurés Trio seine große Stunde.

Aus der Pause kommend stimmte Violinistin Judith Stapf das Publikum auf Beethovens op.1 in Es-Dur ein und schilderte die Tragik der früh verstorbenen Lili Boulanger. Frisch seien die vier Sätze des Beethovenwerkes, sagte sie. In gewisser Weise bringt dies allein die Tonart mit sich und es wirkt, als lehne Beethoven sich hier noch ein wenig an Mozart an, doch im Scherzo und im Finale schimmert schon der „echte“ Beethoven durch. Vor allem dem Klavier gönnt Beethoven kaum eine Ruhephase, was Marco Sanna mit Verve anging und Judith Stapfs Violine brillierte in diesem, wie in den anderen Werken des Abends. Den Abschluss des Programms bildete Lili Boulangers „D’un matin du printemps“. Die hochbegabte, aber schwer kranke Komponistin machte den männlichen Berufskollegen ihrer Zeit ordentlich Konkurrenz, wurde von einem Kritiker wegen ihrer körperlichen Zartheit als „Porzellanpuppe“ bezeichnet und gewann 1913 den begehrten „Prix de Rome“, an den ein Stipendium für die Villa Massimo in Rom geknüpft ist. „D‘ un matin du printemps“ ließ den Herbst vergessen und bot Arnau Rovira i Bascomptes Cello einmal mehr die Chance, die volle Ausdruckskraft seines Spiels zu demonstrieren.
 

Ulrike Bauermeister-Bock

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