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Musikalischer Janus

Trio Gaspard, Montag, 2. Februar 2026, 19:30 Uhr, Meistersingerhalle

Das Trio Gaspard mit Nicholas Rimmer am Klavier, Jonian Ilias Kadesha an der Violine und Vashti Hunter am Violoncello, soll seinen Namen bei Ravel (Gaspard de la nuit: Trois poèmes pour piano d'après Aloysius Bertrand) entlehnt haben. Bertrand schildert in seinem Gedichtzyklus einen diabolisch dreisten Bettler, der glaubt, eine Art Kunsttheorie von der Janusköpfigkeit der Kunst entwickeln zu können. Ravel, von Bertrand fasziniert, formte Bertrands Dichtung in eines seiner berühmtesten Klavierwerke um, und das preisgekrönte und international gefeierte Trio Gaspard entleiht sich hier vermutlich seinen Namen.

Janus blickt bekanntlich zugleich vor und zurück. So ist der Name des Trio Gaspard bereits Programm, hat es sich doch zur Aufgabe gemacht, Komponisten unserer Zeit wie den Finnen Olli Mustonen und die moldauisch-österreichisch-schweizerische Geigerin Patricia Kopatchinskaja, die sich als Komponistin PatKop nennt, mit Haydns Klaviertrios zu verschmelzen. Das Programm des Konzertabends beim Privatmusikverein schien zudem den Weg zwischen den zeitlichen Polen skizzieren zu wollen, indem auch Beethoven, George Enescu und Arno Babadjanian musikalisch zu Wort kamen.

Olli Mustonens „Introduzione e Allegro alla Polacca“ aus dem Jahr 2022 eröffnete das Konzert und war auch fast schon wieder vorbei, da hatte sich der Zuhörer gerade entspannt auf den geradezu klassischen Duktus eingelassen, durch den hie und da der Schalk blitzte. U.a. letzterer schien auch den Bogen zu Haydns Klaviertrio in F-Dur Hob.XV:2 und auf jeden Fall zu Patricia Kopatchinskajas „Roh-Rau“ betiteltes Klaviertrio zu spannen. In der Literatur macht seit einigen Jahren das Genre des „Nature Writing“ Furore. PatKop scheint Ähnliches in ihrer Musik zu verfolgen, will sie doch berstende Pferdewagen und erschrockene Hühner aus der Zeit Haydns klanglich einfangen.
Vor der Pause überraschte Arno Babadjanians 1952 erschienenes Klaviertrio fis-Moll mit seinem dunklen Beginn, volksliedhaften Anklängen und spätromantischer Wucht. Ein grandios beeindruckendes Werk!
Nach der Pause stimmte George Enescus zartes Gespinst (Sérénde Lointaine) auf Ludwig van Beethovens Klaviertrio Nr.6 in Es-Dur op.70/2 ein. Dieser wirkte nach dem bereits Gehörten geradezu „brav“. Doch sein Finale.Allegro schien alles Dargebotene mit einem kompositorischen Faden zusammenzunähen. Ein wunderbarer Schlusspunkt.

Vieles zeichnete an diesem Abend das Trio Gaspard aus. Zum einen die außerordentlich spannende, originelle Programmgestaltung, deren reiche Farben die Gaspards jederzeit richtig mischten. Da leuchtete nichts zu grell auf, nichts verschwand im allzu Pastelligen. Zum anderen war jedes Instrument, das agile Klavier, die faunige Geige und das selbstbewusst-lässige Cello, dem anderen ebenbürtig. Jonian Ilias Kadesha würzte den Abend mit charmanten kleinen Kommentaren und ebensolchen Ankündigungen der beiden großzügigen haydnschen Zugaben. Das Publikum reagierte begeistert, denn hier musizierte ein erstklassiges Trio, das mit großer Leidenschaft eine gemeinsame Idee verfolgt. Chapeau!

Ulrike Bauermeister-Bock

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