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Fedele Agate

Quatuor Agate, Mittwoch, 4. März 2026, 19:30 Uhr, Meistersingerhalle

Das junge, französische Quatuor Agate (Juliette Beauchamp und Adrien Jurkovic an der Violine, Raphaël Pagnon, Viola, und Simon Iachemet, Violoncello) hat sich bereits eingereiht unter die die Brahms-Spezialisten - und setzte an diesem Abend doch auf Mozart und Beethoven, die Fanny Hensels Es-Dur-Quartett umrahmen. Es hätte Fanny Hensel sicher gefreut, von ihren beiden liebsten Komponisten, sieht man von ihrem Bruder ab, umrahmt zu werden. Das vielfach ausgezeichnete Quartett bereiste in dieser Saison u.a. die USA, Kanada, Mexiko, Australien und, ein Augenzwinkern sei erlaubt, Nürnberg.

Angeblich spielte Friedrich Wilhelm II. täglich zwei Stunden Cello und dies bemerkenswert gut. Kein Wunder also, dass Mozart ihm sein Streichquartett D-Dur, KV 575, zueignete, in welchem dem Cello eine besondere Rolle neben der Violine zukommt. Dies führte dazu, dass Simon Iachemet, wie sein Kollege Adrien Jorkovic später scherzend betont, am Cello viel zu tun bekam. Eine Herausforderung, die er mit Spielfreude und Präzision annahm. Auf Mozart folgte an diesem Abend das einzige Streichquartett Fanny Hensels (Es-Dur), das sie mit 29 Jahren schrieb und ihrem Bruder schickte, der das enthaltende Scherzo und die Romanze lobte, ansonsten aber seinen „Respect vor Form und ordentlicher Arbeit“ betonte, den er Fanny so indirekt absprach. Vielleicht aber war diese nur mutiger, erlaubte sich künstlerische Freiheiten und verneigte sich doch vor allem im Finalsatz vor dem späten Beethoven, dessen op. 59/3 nach der Pause erklang. Und weil man genau dieses vielleicht am besten kennt, entpuppte sich hier, was die Agates auszeichnet: Sie bürsten nichts auf Effekt und bleiben so in den Tempi und der Dynamik stets ausgewogen. Ihre große Stärke ist die Einfühlung in den Charakter der einzelnen Stücke. Wie um dies mimisch zu betonen, richtet Juliette Beauchamp immer wieder den Blick nach oben, als hole sie die Töne direkt aus dem Himmel oder nehme quasi medialen Kontakt auf zu den Komponisten. Für den aufbrausenden Applaus mit etlichen Bravorufen bedankte sich das Quatuor Agate mit einem Ausschnitt aus Ethel Smyth‘ Vokalsymphonie, einem von ihr arrangierten Bachchoral.

Das Quatuor Agate ist nicht angewiesen auf furiose Extravaganzen, interpretatorische Kapriolen oder solistische Ausflüge. Sein musikalischer Schwerpunkt liegt in der Werktreue, in der genauen Interpretation. Man darf gespannt sein, wohin dieser Weg führt.

Das Konzert wurde vom Bayrischen Rundfunk aufgezeichnet und wird voraussichtlich am 11.04.2026 ab 15:05 Uhr auf BR-Klassik ausgestrahlt.

Ulrike Bauermeister-Bock

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